Neue Einsatz-Rucksäcke für die Einsatzkräfte

"Niemand geht allein.“ Einer der wichtigsten Voraussetzungen für Notfallseelsorger Hanjo von Wietersheim. Der 57-jährige Pfarrer aus Iphofen koordiniert seit 26 Jahren diese Betreuung am Rand der menschlichen Existenz. Die Seelsorger überbringen dann zusammen mit den Polizisten die Todesnachricht bei Unfällen oder Unglücken.
„Immer häufiger werden wir informiert, obwohl die Zahl der tödlichen Unfälle an sich gesunken ist.“ Pfarrer, aber auch ehrenamtliche Helfer übernehmen da in den einzelnen Landkreisen Bereitschaftsdienste. Sie alle sind intensiv geschult. In aller Regel sind sie zu zweit vor Ort. Der oder die eine führt im wesentlichen die Gespräche, der andere bleibt beobachtend im Hintergrund. Er bekommt dann auch mit, wenn etwa der Sohn eines Unfallopfers ganz anders angesprochen werden muss als die Ehefrau. Gerade jüngere Menschen bräuchten nach Unglücksfällen in ihrer Nähe ganz ausdrücklich die Erlaubnis: „Wenn es dir gut tut, gehe zum Fußball." Oder: "Höre Musik"
Und die Einsatzleitung im Hintergrund ist immer darüber informiert: Wo sind die Seelsorger genau? Und wichtiger noch: Wie lange? Es kann schon einmal sein, dass die Notfallseelsorger „im Gespräch alles andere vergessen“, so Hanjo von Wietersheim. Aber nach sechsstündiger Einsatzzeit klingelt ihr Handy. Wenn die Seelsorger dann nicht deutlich machen können, dass das Ende ihres Einsatzes unmittelbar bevorsteht, kommt die Ablösung. Der Schutz unserer Leute ist uns wichtiger als eine, vielleicht bereits gewachsene Bindung an eine Bezugsperson, so Hanjo von Wietersheim.
Genauso wichtig wie die Begleitung durch die Einsatzzentrale ist regelmäßige Supervision. Und zwar nicht erst dann, wenn die Seelsorger bereits am Ausbrennen sind, sondern regelmäßig. Die Kosten dafür übernimmt – anders als etwa bei Pfarrern im Gemeindedienst – vollständig die Landeskirche.
„Jeder braucht ein Gegengewicht“ gerade zu dieser intensiven Arbeit, weiß Hanjo von Wietersheim. Er selbst fertigt in seiner Freizeit Schmiedarbeiten an. Und er findet Trost im Gebet. Ein Unglücksfall „bedeutet nicht, dass Gott mich verlassen hat“, ist er sich sicher. „Wir wissen nicht, was er sich dabei gedacht hat. Trotzdem glaube ich, dass Gott dich liebt.“ Und ein weiteres Leben ermöglichen will.
Nicht nur bei dem klassischen Straßenunfall, auch bei weiteren dramatischen oder unerwarteten Todesfälle oder einem Suizid sind die Notfallseelsorger vor Ort. Gerade diese Todesart bringt besonders viel Leid bei Angehörigen. Aber gerade daran denken Menschen, die sich umbringen wollen, am wenigsten. „Das ist Teil ihrer Erkrankung“, so Hanjo von Wietersheim.
Besondere Kreise zieht natürlich immer ein Suizid eines Jugendlichen. „Eine Ankündigung ist immer ernst zu nehmen. Krisen- und Fachdienste, Beratungsstellen und Schulpsychologen lassen die Angehörigen dann nicht allein. Und: Wer einen Suizid angekündigt, will meist Hilfe.
Unter Senioren ist das oft ein Thema. Noch nicht unbedingt dann, wenn sie unheilbar krank sind oder ihre Schmerzen nicht mehr ertragen wollen. Sondern oft in depressiven Phasen, so Hanjo von Wietersheim. Sie wollen oft ihre Angehörigen nicht damit belasten, dass sie immer weniger tun können. Aber: Es ist relativ selten, dass sie mit ihren Angehörigen darüber sprechen. Auch für sie gilt: "Niemand ist allein."

 

Herzlicher Dank ergeht an die Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen GmbH für die Unterstützung durch neue Rucksäcke.

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